Web-Aufbereitung
  • Deniz Akat

Website Relaunch: Wann er sich lohnt — und wann er schadet

Ein Relaunch ist kein Grundputz, sondern ein Eingriff — und ohne Weiterleitungen der teuerste Fehler, den eine gewachsene Website erleben kann.

Irgendwann kommt der Satz: „Unsere Website müsste mal komplett neu.“ Meist fällt er, nachdem jemand die Seite eines Wettbewerbers gesehen hat. Und meistens folgt darauf ein Projekt, das mehrere tausend Euro kostet und am Ende nicht mehr Anfragen bringt als vorher.

Ein Website Relaunch ist kein Grundputz. Er ist ein Eingriff in etwas, das über Jahre gewachsen ist: Adressen, Inhalte, Verweise anderer Seiten, eine Position in den Suchergebnissen. Wird er falsch gemacht, verliert eine Website mühsam erarbeitete Sichtbarkeit — und das merkt man erst Wochen später.

Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Anzeichen wirklich für eine Erneuerung sprechen, welches Argument allein nicht genügt, und was der eine Punkt ist, den Sie bei keinem Relaunch übersehen dürfen.

„Sieht altmodisch aus“ ist allein kein Grund für einen Website Relaunch

Geschmack ist der schwächste Auslöser für ein Projekt dieser Größe. Sie sehen Ihre Website häufiger als jeder Kunde — sie nutzt sich für Sie schneller ab als für die Menschen, die Sie erreichen wollen. Ein Interessent öffnet Ihre Seite kurz und stellt eine einzige Frage: Kann der das, und wie erreiche ich ihn?

Hinzu kommt: Vieles, was als „altmodisch“ empfunden wird, ist ein Detailproblem — zu kleine Schrift, zu wenig Kontrast, Fotos aus einer Bilddatenbank, zu enge Abstände. Diese Dinge lassen sich einzeln beheben, ohne das Fundament abzureißen.

Prüfen Sie deshalb zuerst, ob Ihr Unbehagen ein Aussehensproblem ist oder ein Funktionsproblem. Ein Aussehensproblem ist reparierbar. Ein Funktionsproblem — die Seite lässt sich nicht bedienen, nicht pflegen oder nicht mehr sicher betreiben — ist der eigentliche Anlass für einen Relaunch.

Die echten Anzeichen für einen Website Relaunch

Die folgenden fünf Anzeichen sind Funktionsprobleme. Trifft eines davon deutlich zu, lohnt sich das Gespräch über eine Erneuerung. Treffen drei oder mehr zu, ist die Frage nicht mehr ob, sondern wann.

1. Auf dem Handy ist die Seite unbedienbar

Ein großer Teil Ihrer Besucher kommt über das Handy. Wenn dort die Schrift so klein ist, dass man zoomen muss, das Menü sich nicht öffnen lässt, Tabellen über den Rand hinauslaufen oder die Telefonnummer kein anklickbarer Link ist, verlieren Sie diese Besucher — noch bevor sie Ihr Angebot gelesen haben.

Der Test dauert eine Minute: Öffnen Sie Ihre Seite auf Ihrem eigenen Handy, schalten Sie das WLAN ab und versuchen Sie, in dreißig Sekunden eine Kontaktmöglichkeit zu finden und anzutippen. Scheitert das, ist es kein Geschmacksurteil mehr, sondern ein messbarer Mangel.

2. Es kommen keine Anfragen

Eine Website hat eine Aufgabe: aus Besuchern Anfragen machen. Kommen keine, liegt das selten am Aussehen. Häufiger fehlt eine klare nächste Handlung, die Kontaktmöglichkeit ist drei Klicks entfernt, oder die Preisfrage wird so ausweichend beantwortet, dass der Besucher woanders fragt.

Bevor Sie deswegen alles neu bauen lassen, prüfen Sie die naheliegenden Gründe. Unser Beitrag dazu, warum Besucher nicht anfragen, nennt die typischen Bruchstellen — viele davon sind ohne Relaunch behebbar.

3. Die Inhalte stimmen nicht mehr

Leistungen, die Sie nicht mehr anbieten, Mitarbeiter, die längst gegangen sind, Preise von vorgestern, eine Adresse, unter der Sie nicht mehr sitzen. Solche Fehler kosten sofort Vertrauen — wer merkt, dass die Website nicht gepflegt wird, zweifelt auch am Rest.

Für sich genommen rechtfertigt das keinen Neubau, sondern eine Überarbeitung. Zum Relaunch-Argument wird es erst dann, wenn die Inhalte deshalb veralten, weil sie niemand ändern kann — siehe Punkt fünf.

4. Das System bekommt keine Sicherheitsupdates mehr

Das ist der einzige Punkt auf dieser Liste, der eine Frist hat. Läuft Ihre Website auf einer Software-Version, für die es keine Sicherheitsaktualisierungen mehr gibt — ein veraltetes Redaktionssystem, eine abgekündigte Programmiersprachen-Version beim Hoster, Erweiterungen, die der Hersteller nicht mehr betreut —, dann ist das kein Schönheitsthema, sondern ein Risiko.

Bekannte Sicherheitslücken werden veröffentlicht und automatisiert ausgenutzt. Eine gekaperte Website wird für fremde Zwecke missbraucht, kann von Google als unsicher markiert werden und verliert ihre Besucher schlagartig. Fragen Sie Hoster oder Betreuer schriftlich, welche Versionen laufen und wie lange sie noch unterstützt werden.

5. Niemand kann Inhalte pflegen

Wenn eine kleine Textänderung einen Anruf beim Dienstleister und eine Rechnung erfordert, wird sie nicht gemacht. Die Website friert ein. Das ist ein struktureller Mangel, und er wird mit jedem Monat teurer — nicht in Rechnungen, sondern in unterlassenen Aktualisierungen.

Zum Relaunch-Grund wird das, wenn die Ursache im System liegt und nicht in fehlender Einweisung. Welche Systeme sich wie gut pflegen lassen, vergleicht unser Beitrag WordPress oder Next.js — es gibt dabei keine allgemein richtige Antwort, sondern nur eine, die zu Ihrem Betrieb passt.


Der wichtigste Warnhinweis: Adressen ändern ohne Weiterleitungen

Wenn Sie sich aus diesem Beitrag einen einzigen Satz merken, dann diesen: Ein Relaunch, bei dem sich Seitenadressen ändern und niemand Weiterleitungen einrichtet, kostet Sie Ihre Sichtbarkeit bei Google.

Jede Unterseite Ihrer Website hat eine eigene Adresse. Google hat diese Adressen im Verzeichnis, andere Websites verweisen darauf, Kunden haben sie als Lesezeichen gespeichert. Der Rang, den eine Seite in den Suchergebnissen erreicht hat, hängt an dieser Adresse — nicht an Ihrer Website im Allgemeinen.

Bei einem Relaunch ändern sich Adressen fast immer. Aus einer alten Struktur wird eine neue, aus deutschen Umlauten werden andere Schreibweisen, aus zwei Seiten wird eine. Wird die alte Adresse dann einfach abgeschaltet, landen Besucher und Google auf einer Fehlerseite. Der aufgebaute Rang verfällt, und die neue Seite fängt bei null an.

Was eine Weiterleitung leistet

Eine dauerhafte Weiterleitung ist eine Anweisung des Servers: Diese Seite ist endgültig umgezogen, hier ist die neue Adresse. Besucher merken davon nichts, sie landen direkt am richtigen Ort. Und Google überträgt die Bewertung der alten Adresse auf die neue, statt sie zu verwerfen.

Wichtig ist die Genauigkeit: Jede alte Adresse muss auf die inhaltlich passende neue zeigen, nicht pauschal alles auf die Startseite. Eine Sammelweiterleitung zur Startseite wertet Google praktisch wie eine Fehlerseite.

Was Sie vor dem Umschalten verlangen sollten

Lassen Sie sich vor dem Livegang eine Liste aller alten Adressen und ihrer neuen Ziele geben. Diese Liste ist kein Bonus, sondern Teil der Leistung. Verlangen Sie außerdem, dass sie nach dem Umschalten stichprobenartig geprüft wird — mindestens für die Seiten, die bisher die meisten Besucher hatten.

Prüfen Sie zusätzlich zwei Dinge selbst: dass die neue Website nicht versehentlich für Suchmaschinen gesperrt bleibt (das passiert regelmäßig, weil die Sperre während der Bauphase gesetzt und danach vergessen wird), und dass die Übersichtsdatei mit allen Seiten in der Google Search Console neu eingereicht wird.

Die Alternative: schrittweise erneuern statt alles wegwerfen

Ein Relaunch fühlt sich nach Aufbruch an, ist aber der riskanteste Weg. Alles ändert sich gleichzeitig — Aussehen, Struktur, Adressen, System. Wenn danach die Anfragen ausbleiben, wissen Sie nicht, welche der vielen Änderungen daran schuld ist.

Die schrittweise Erneuerung dreht das um. Sie nehmen sich die wichtigsten Seiten einzeln vor: neue Texte, bessere Bilder, klare Kontaktwege, saubere Darstellung auf dem Handy. Die Adressen bleiben, der Rang bleibt, das Risiko bleibt klein. Und nach jedem Schritt sehen Sie, ob er etwas gebracht hat.

  • Erst die Seiten überarbeiten, die heute schon die meisten Besucher bekommen — dort wirkt jede Verbesserung sofort.
  • Darstellung und Bedienbarkeit auf dem Handy in Ordnung bringen, bevor Sie über neues Aussehen sprechen.
  • Veraltete Inhalte, tote Verweise und falsche Angaben entfernen.
  • Erst wenn System oder Sicherheit wirklich am Ende sind, den vollständigen Neubau planen — dann aber mit Weiterleitungsliste.

Ein vollständiger Neubau bleibt trotzdem manchmal der ehrlichere Weg: wenn das System keine Updates mehr bekommt, wenn die Struktur über die Jahre unrettbar verwildert ist oder wenn sich Ihr Geschäft so verändert hat, dass die alte Seite die falsche Geschichte erzählt. Was ein solcher Neubau realistisch kostet, ordnet unser Beitrag was eine Website kostet ein.

Vorher messen, damit Sie hinterher wissen, ob es besser wurde

Der häufigste Grund, warum niemand sagen kann, ob ein Relaunch etwas gebracht hat: Vorher wurde nichts festgehalten. Ohne Ausgangswerte bleibt nur das Gefühl — und das sagt nach einem teuren Projekt fast immer, es sei besser geworden.

Halten Sie deshalb vor dem Umschalten wenigstens diese Dinge fest: wie viele Besucher die Seite im Monat hat, welche Seiten davon die meistbesuchten sind, für welche Suchbegriffe Sie in der Google Search Console erscheinen und auf welchen Plätzen, wie viele Anfragen pro Monat eingehen und über welchen Weg sie kommen.

Vergleichen Sie nicht schon nach zwei Wochen. Google braucht Zeit, um eine veränderte Website neu zu bewerten; ein Rückgang in den ersten Wochen ist normal. Aussagekräftig wird der Vergleich erst nach einigen Monaten — und dann gegen denselben Zeitraum des Vorjahres, damit saisonale Schwankungen Sie nicht täuschen.

Häufige Fragen zum Website Relaunch

Verliert man bei einem Relaunch immer Sichtbarkeit?

Nein, aber ein vorübergehender Rückgang ist üblich, wenn sich Struktur und Inhalte ändern. Google muss die neuen Seiten erst abrufen und neu einordnen. Wie stark und wie lange dieser Einbruch ausfällt, hängt vor allem an den Weiterleitungen.

Dauerhaft verliert eine Website Sichtbarkeit dann, wenn alte Adressen ersatzlos wegfallen, wenn Inhalte beim Neubau stark gekürzt wurden oder wenn die neue Seite versehentlich für Suchmaschinen gesperrt bleibt. Alle drei Fälle sind vermeidbar.

Sollte man beim Relaunch auch die Domain wechseln?

Nur bei einem zwingenden Grund, etwa einer Umfirmierung. Ein Domainwechsel ist ein zweiter, eigenständiger Eingriff mit eigenem Risiko. Beides gleichzeitig verdoppelt die Fehlerquellen und macht die Ursachensuche unmöglich, falls hinterher etwas nicht stimmt.

Ist der Wechsel unvermeidlich, trennen Sie die Schritte zeitlich und leiten Sie jede alte Adresse dauerhaft auf ihre neue Entsprechung weiter. Die alte Domain behalten Sie dabei über Jahre, nicht über Monate.

Wie oft sollte eine Website erneuert werden?

Es gibt kein Intervall, nach dem eine Website automatisch fällig wäre. Eine gepflegte Seite funktioniert viele Jahre; eine ungepflegte ist nach zwei Jahren ein Problem. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern ob die fünf Anzeichen zutreffen.

Sinnvoller als ein Relaunch-Rhythmus ist eine Routine: einmal im Quartal Inhalte durchsehen, Aktualisierungen einspielen, Ladezeit und Darstellung auf dem Handy prüfen.

Kann ich Inhalte aus der alten Website übernehmen?

Nicht nur können Sie das — Sie sollten es. Texte, die bereits Besucher aus der Suche bringen, sind Vermögen. Sie beim Neubau zu kürzen, weil sie nicht ins neue Layout passen, ist einer der häufigsten selbstverschuldeten Verluste.

Sehen Sie vorher in der Search Console nach, welche Seiten Besucher aus der Suche erhalten. Diese Inhalte werden übernommen und überarbeitet, nicht ersetzt.

Was Sie jetzt tun können

Gehen Sie die fünf Anzeichen durch und schreiben Sie zu jedem ein ehrliches Ja oder Nein. Trifft nichts oder nur eines zu, sparen Sie sich den Relaunch und investieren Sie das Geld in bessere Inhalte auf den vorhandenen Seiten.

Trifft mehreres zu, holen Sie zwei Dinge ein, bevor Sie beauftragen: eine Aufstellung Ihrer heutigen Zahlen als Vergleichsmaßstab und die schriftliche Zusage, dass eine vollständige Weiterleitungsliste Teil der Leistung ist. Wer diese Zusage nicht geben will, hat den Punkt nicht verstanden.

Welcher Umfang zu Ihrem Betrieb passt, zeigt unsere Übersicht der Website-Pakete mit Preisen und Bearbeitungszeiten. Und ob Erneuern oder Überarbeiten das Richtige ist, lässt sich in einem kurzen Gespräch klären — per WhatsApp oder E-Mail, bevor Geld ausgegeben wird.

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