Web-Aufbereitung
  • Deniz Akat

Keyword Recherche kostenlos: So finden Sie die richtigen Suchwörter

Die Wörter, mit denen Ihre Kunden suchen, liegen längst offen — Sie müssen nur wissen, wo Sie hinschauen.

Sie wissen genau, was Sie anbieten. Sie wissen nur nicht, mit welchen Wörtern Ihre Kunden danach suchen. An dieser Stelle scheitern die meisten Websites kleiner Unternehmen — nicht an der Technik, sondern an der Sprache.

Die verbreitete Antwort darauf lautet: ein Werkzeug kaufen. Es gibt Programme für die Suchwortanalyse, die im Monat mehr kosten als Ihr Hosting im ganzen Jahr. Für ein Unternehmen mit einer überschaubaren Zahl an Leistungen brauchen Sie die nicht. Eine Keyword Recherche kostenlos durchzuführen ist nicht nur möglich — sie liefert oft die ehrlicheren Ergebnisse, weil Sie die Wörter dort abholen, wo Ihre Kunden tatsächlich suchen.

Dieser Beitrag zeigt Ihnen den häufigsten Denkfehler, die vier kostenlosen Quellen, die Google Ihnen selbst hinstellt, und den Schritt, den fast alle auslassen: wie aus einer Liste von Wörtern eine Seitenstruktur wird. Wie Google Ihre Seite anschließend bewertet, lesen Sie in unserem Beitrag zu den SEO-Grundlagen für kleine Unternehmen.

Der Denkfehler: Sie suchen nicht so, wie Ihre Kunden suchen

Ein Zahnarzt schreibt „Endodontie“ auf seine Website. Sein künftiger Patient sitzt abends mit Schmerzen auf dem Sofa und tippt „Zahn tut weh“ ins Handy. Beide meinen dasselbe Problem. Nur begegnen sie sich in der Google-Suche nie.

Das ist kein Einzelfall, sondern das Grundmuster. Fachleute benennen Dinge nach der Methode, Kunden benennen sie nach dem Problem oder nach dem gewünschten Ergebnis. Der Steuerberater denkt „Jahresabschluss“, der Mandant denkt „Steuererklärung Kleinunternehmer“. Der Dachdecker denkt „Flachdachabdichtung“, der Hausbesitzer denkt „Dach undicht was tun“.

Für Ihre Recherche heißt das: Notieren Sie zuerst nicht Ihre Leistungen, sondern die Sätze, mit denen Ihre Kunden am Telefon ihr Problem schildern. Diese Sätze sind Ihr Rohmaterial. Sie liegen fast immer näher an dem, was Menschen wirklich eingeben, als jede Formulierung aus Ihrem Angebot.

Ein zweiter Denkfehler steckt gleich daneben: die Annahme, das eigene Bauchgefühl reiche aus. Es reicht als Startpunkt, nicht als Ergebnis. Alles, was Sie sich ausdenken, gehört auf eine Vorschlagsliste — bestätigt wird es erst von den Quellen im nächsten Abschnitt.

Keyword Recherche kostenlos: vier Quellen, die Google selbst liefert

Die beste Quelle für Suchwörter ist Google selbst. Die folgenden vier Wege sind frei zugänglich, kosten nichts und zeigen Ihnen echte Eingaben echter Menschen — keine Schätzungen.

1. Die Vorschläge, während Sie tippen

Tippen Sie den Anfang Ihrer Leistung in die Google-Suche und schauen Sie, was Google Ihnen zu Ende schreibt. Diese Vorschläge entstehen aus dem, was andere Menschen vor Ihnen gesucht haben. Beginnen Sie mit Ihrer Leistung plus Ihrem Ort, plus „Kosten“, plus „wie“ — und schreiben Sie jede Zeile mit.

Ein einfacher Trick vervielfacht die Ausbeute: Hängen Sie einen einzelnen Buchstaben an. „Dachdecker Bonn a“, dann „Dachdecker Bonn b“, und so weiter durch das Alphabet. Sie bekommen jedes Mal eine andere Liste, und darunter sind Formulierungen, auf die Sie von allein nie gekommen wären.

2. Ähnliche Suchanfragen am Seitenende

Scrollen Sie eine Ergebnisseite ganz nach unten. Dort steht ein Block mit verwandten Suchen. Das sind Anfragen, die Menschen zusätzlich gestellt haben, weil ihnen die erste Antwort nicht gereicht hat. Für Sie sind das fertige Themen für Unterseiten oder Beiträge.

3. Die Fragenboxen mitten in den Ergebnissen

In vielen Suchergebnissen taucht ein aufklappbarer Block mit Fragen auf. Klappen Sie eine Frage auf, lädt Google weitere nach — Sie können sich auf diese Weise durch ein ganzes Themenfeld arbeiten. Diese Fragen sind wertvoll für den Aufbau Ihrer Seiten: Jede davon kann eine Zwischenüberschrift werden.

Wer die Frage seines Kunden wörtlich als Überschrift stellt und direkt darunter kurz und vollständig beantwortet, hat gute Chancen, in genau so einer Box zitiert zu werden. Das ist der Grund, warum am Ende dieses Beitrags ein Abschnitt mit häufigen Fragen steht.

4. Die Google Search Console für Ihre eigene Seite

Die Search Console ist ein kostenloses Werkzeug von Google für Seitenbetreiber. Im Bereich „Leistung“ sehen Sie, mit welchen Suchbegriffen Ihre Seite bereits angezeigt wurde — auch mit solchen, an die Sie nie gedacht hätten. Das sind keine Schätzwerte, sondern Ihre eigenen Daten.

Besonders lohnend sind Begriffe, bei denen Sie oft erscheinen, aber selten angeklickt werden. Dort gibt es bereits Nachfrage, und Ihre Seite trifft sie noch nicht ganz. Wenn Ihre Seite dort überhaupt nicht auftaucht, hilft unser Beitrag dazu weiter, warum eine Website bei Google nicht gefunden wird.


Lesen Sie Ihre Wettbewerber — aber richtig

Suchen Sie nach Ihrer wichtigsten Leistung und öffnen Sie die ersten Ergebnisse, die keine Anzeigen und keine Branchenverzeichnisse sind. Schauen Sie dabei nicht auf das Design. Schauen Sie darauf, welche Wörter diese Anbieter an den entscheidenden Stellen verwenden.

  • Die Hauptüberschrift der Seite — sie nennt fast immer das Suchwort, auf das die Seite zielt.
  • Der Text im Browser-Tab, also der Seitentitel: Er ist bewusst gewählt, nie zufällig.
  • Die Zwischenüberschriften: Sie zeigen, welche Teilfragen der Anbieter beantwortet.
  • Die Lücke: Welche Frage stellen Ihre Kunden regelmäßig, auf die hier niemand antwortet?

Kopieren Sie nichts. Sie übernehmen das Muster, nicht die Formulierungen. Der wertvollste Fund ist ohnehin die Lücke — das Thema, zu dem alle anderen schweigen, weil sie es für zu selbstverständlich halten.

Warum längere Suchphrasen für kleine Unternehmen die besseren sind

„Webdesign“ ist ein Wort, gegen das Sie als kleines Unternehmen nicht antreten sollten. Dahinter stehen Anbieter mit jahrelang gewachsenen Seiten und großen Budgets. Vor allem aber gilt: Wer nur „Webdesign“ eingibt, will meistens noch gar nichts beauftragen — er schaut sich um.

„Website für Handwerksbetrieb in Bonn erstellen lassen“ ist die andere Sorte Suchanfrage. Sie wird seltener eingegeben. Aber wer sie eingibt, weiß, was er will, und ist nah an einer Entscheidung. Für solche Phrasen brauchen Sie keine Autorität wie ein Branchenriese, sondern eine Seite, die genau diese eine Frage vollständig beantwortet.

Die Faustregel lautet: Je konkreter die Suchanfrage, desto kleiner die Konkurrenz und desto größer die Kaufabsicht. Fünf Seiten, die je eine sehr konkrete Frage beantworten, bringen Ihnen mehr Anfragen als eine Seite, die vergeblich auf ein großes, allgemeines Wort zielt.

Konkreter wird eine Suchphrase durch drei Zusätze: den Ort, die Zielgruppe und den Anlass. Aus „Website erstellen lassen“ wird so „Website für Steuerkanzlei erstellen lassen“ oder „Website erstellen lassen nach Firmenübernahme“. Prüfen Sie jede dieser Varianten kurz in der Google-Suche — wenn es Vorschläge und passende Ergebnisse dazu gibt, existiert die Nachfrage.

Von der Liste zur Seitenstruktur: ein Suchwort, eine Seite

Am Ende Ihrer Recherche haben Sie vielleicht vierzig Begriffe auf einem Zettel. Jetzt kommt der Schritt, den fast alle auslassen: sortieren. Legen Sie Begriffe, die dasselbe meinen, auf einen Stapel — „Website erstellen lassen“, „Homepage erstellen lassen“ und „Internetseite machen lassen“ sind ein Stapel, nicht drei.

Jeder Stapel wird genau eine Seite. Nicht zwei, nicht fünf. Wenn Sie drei Seiten zum selben Thema veröffentlichen, muss Google entscheiden, welche davon die Antwort sein soll — und im Zweifel entscheidet es sich für keine davon richtig. Ihre eigenen Seiten nehmen sich dann gegenseitig das Ranking weg.

Ordnen Sie anschließend jedem Stapel einen Zweck zu: eine Leistungsseite, die verkauft, oder ein Beitrag, der erklärt. Formulierungen mit „wie“, „warum“ und „was kostet“ werden Beiträge. Formulierungen mit „… erstellen lassen“, „… kaufen“ oder „… in [Ort]“ werden Leistungsseiten. Wie eine solche Aufteilung in der Praxis aussieht, zeigt unsere Übersicht der Website-Pakete.

Halten Sie das Ergebnis in einer schlichten Tabelle fest: Suchwort, Seitenadresse, Überschrift, Zweck. Diese Tabelle ist Ihr Bauplan. Sie ersetzt jedes bezahlte Werkzeug — und sie ist genau der Teil der Arbeit, den ein Werkzeug Ihnen ohnehin nicht abnehmen kann.

Häufige Fragen zur kostenlosen Keyword Recherche

Brauche ich wirklich kein bezahltes Werkzeug?

Für ein Unternehmen mit einer überschaubaren Zahl an Leistungen: nein. Bezahlte Werkzeuge liefern vor allem geschätzte Suchmengen und Konkurrenzwerte. Bei kleinen, lokalen oder sehr speziellen Themen sind diese Schätzungen dünn, weil die zugrunde liegenden Datenmengen klein sind.

Die Entscheidung, welche Seite Sie bauen, treffen Sie ohnehin qualitativ: Passt dieses Suchwort zu dem, was ich verkaufe, und kann ich die Frage dahinter besser beantworten als die Seiten, die gerade oben stehen? Diese Frage beantwortet Ihnen kein Werkzeug.

Wie viele Suchwörter brauche ich für meine Website?

Genau so viele, wie Sie Seiten haben. Eine Website mit sieben Seiten braucht sieben Suchwörter, nicht vierzig. Alles Weitere wird zu Beiträgen, die Sie nach und nach ergänzen.

Es ist wesentlich wirksamer, sieben Fragen vollständig zu beantworten, als vierzig Begriffe halbherzig irgendwo unterzubringen. Eine dünne Seite hilft niemandem — weder dem Besucher noch Google.

Wie oft muss das Suchwort im Text vorkommen?

Es gibt keine gültige Zahl, und wer Ihnen eine nennt, rät. Sinnvoll ist: in der Hauptüberschrift, im ersten Absatz, in ein bis zwei Zwischenüberschriften und dort im Text, wo es sich von selbst ergibt.

Google erkennt verwandte Formulierungen und Synonyme. Ein Text, in den ein Begriff gestopft wurde, liest sich schlecht — und Besucher, die nach zwei Sätzen wieder gehen, sind für Ihre Sichtbarkeit ein schlechteres Signal als ein selten genanntes Suchwort.

Was mache ich, wenn mein Wunsch-Suchwort hart umkämpft ist?

Werden Sie konkreter, statt es aufzugeben. Hängen Sie Ort, Zielgruppe oder Anlass an und bauen Sie eine Seite für diese engere Frage. Solche Seiten ranken schneller, bringen passendere Anfragen und stärken mit der Zeit auch Ihre allgemeineren Seiten.

Das große Wort bleibt dabei Ihr Fernziel. Sie erreichen es nicht mit einer einzelnen Seite, sondern über mehrere Jahre, in denen Ihre Website zu diesem Themenfeld verlässlich Antworten liefert.

Was Sie jetzt konkret tun können

  1. Schreiben Sie zwanzig Sätze auf, mit denen Kunden Ihnen am Telefon ihr Problem schildern.
  2. Tippen Sie jeden davon in die Google-Suche und notieren Sie Vorschläge, ähnliche Suchanfragen und Fragen aus den Fragenboxen.
  3. Melden Sie Ihre Website in der Google Search Console an und sehen Sie nach einigen Wochen nach, wofür Sie bereits angezeigt werden.
  4. Sortieren Sie die gesammelten Begriffe zu Stapeln — ein Stapel ist eine Seite.
  5. Legen Sie je Stapel fest, ob daraus eine Leistungsseite oder ein Beitrag wird, und notieren Sie Adresse und Überschrift.

Diese Arbeit kostet Sie einen konzentrierten Nachmittag und kein Geld. Der längere Teil kommt danach: die Seiten schreiben, sie technisch sauber ausliefern und die Ergebnisse über Monate beobachten und nachschärfen.

Wenn Sie diesen zweiten Teil nicht selbst übernehmen möchten, sehen Sie sich an, wie eine laufende Website-Betreuung mit SEO aussieht. Die Recherche selbst sollten Sie trotzdem einmal gemacht haben — niemand kennt die Sätze Ihrer Kunden so gut wie Sie.

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