Website als Vertriebskanal: von der Visitenkarte zur Anfrage
Die meisten Firmenseiten sagen, dass es das Unternehmen gibt. Verkauft wird erst, wenn sie sagen, wobei sie helfen.
Weiter lesenAcht Ursachen, warum eine Website unsichtbar bleibt — und zu jeder ein Test, den Sie in wenigen Minuten selbst machen.
Die Website steht seit Monaten online. Sie hat Geld gekostet, sie sieht ordentlich aus — und trotzdem ruft niemand an. Wer die eigene Leistung bei Google eingibt, findet alle anderen, nur sich selbst nicht.
Wenn eine Website nicht bei Google gefunden wird, hat das fast immer eine von acht Ursachen. Die gute Nachricht: Sie können jede einzelne davon selbst prüfen, ohne technisches Vorwissen und ohne ein Werkzeug zu kaufen. Die meisten dieser Prüfungen dauern weniger als fünf Minuten.
Dieser Beitrag ist deshalb keine Abhandlung, sondern eine Diagnoseliste — von oben nach unten abzuarbeiten. Die ersten Ursachen sind die häufigsten und die schnellsten zu klären.
Klären Sie zuerst die Grundfrage: Ist Ihre Website überhaupt im Index von Google — also in dem Verzeichnis, aus dem Google seine Ergebnisse zusammenstellt? Was dort nicht steht, kann nicht angezeigt werden.
Geben Sie dafür in die Google-Suche ein: site:ihre-domain.de — also das Wort site, einen Doppelpunkt, dann Ihre Adresse ohne Leerzeichen. Google zeigt Ihnen daraufhin die Seiten Ihrer Website, die es kennt.
Erscheinen Ihre Seiten? Dann kennt Google Sie, hält Sie aber für keine gute Antwort — springen Sie zu den Ursachen 4 bis 8. Erscheint nichts oder fast nichts? Dann liegt das Problem davor, bei den Ursachen 1 bis 3.
Eine frisch veröffentlichte Website ist Google unbekannt. Google muss sie erst finden, abrufen, bewerten und einsortieren. Das geschieht nicht über Nacht — und bei einer neuen Adresse ohne Verbindung zum übrigen Netz langsamer als bei einer etablierten.
So prüfen Sie es: Liefert der site:-Test bei einer wenige Wochen alten Seite bereits einzelne Treffer, ist alles in Ordnung — warten Sie ab und arbeiten Sie an den Inhalten. Liefert er nach mehreren Wochen gar nichts, gehen Sie weiter zu Ursache 2.
Zwei Anweisungen verschließen eine Website gegenüber Suchmaschinen. Beide werden regelmäßig vergessen, und sie bewirken Verschiedenes — diesen Unterschied müssen Sie kennen, sonst verschlimmern Sie das Problem beim Reparieren.
„noindex“ ist eine Anweisung im Quelltext: Diese Seite darf gelesen, aber nicht in das Verzeichnis aufgenommen werden. Das ist legitim — für Danke-Seiten, interne Bereiche oder Testumgebungen. Verheerend wird es, wenn es versehentlich auf der ganzen Website steht.
Genau das passiert häufiger, als man denkt. In WordPress gibt es unter „Einstellungen“ und „Lesen“ ein Häkchen, mit dem sich Suchmaschinen von der ganzen Seite aussperren lassen. Es wird während des Aufbaus gesetzt, damit die halbfertige Seite nicht in den Ergebnissen landet — und danach vergessen.
So prüfen Sie es: Lassen Sie sich im Browser den Seitenquelltext Ihrer Startseite anzeigen (Rechtsklick, „Seitenquelltext anzeigen“) und suchen Sie darin nach dem Wort noindex. Finden Sie es, haben Sie Ihre Ursache. Bei WordPress schauen Sie zusätzlich in die genannte Einstellung.
Die robots.txt ist eine kleine Textdatei im Wurzelverzeichnis Ihrer Website. Sie regelt etwas anderes als noindex, und dieser Unterschied ist der wichtigste Punkt dieses ganzen Beitrags: Die robots.txt verbietet das Abrufen einer Seite. noindex verbietet die Aufnahme in den Index. Das ist nicht dasselbe.
So prüfen Sie es: Rufen Sie ihre-domain.de/robots.txt direkt im Browser auf. Steht dort eine Zeile mit „Disallow: /“, ist das gesamte Abrufen Ihrer Website untersagt. Einzelne Disallow-Zeilen für Verwaltungsbereiche sind dagegen normal und unbedenklich.
Viele glauben, eine per robots.txt gesperrte Seite könne nicht im Index landen. Das Gegenteil ist der Fall. Verweisen andere Websites auf die Adresse, kann Google sie trotzdem aufnehmen — dann erscheint sie oft nur mit der nackten Adresse und ohne Beschreibungstext, weil Google den Inhalt nie lesen durfte.
Daraus folgt die Falle: Wer eine Seite mit noindex versieht und sie zusätzlich per robots.txt sperrt, erreicht das Gegenteil seiner Absicht. Google darf die Seite nicht abrufen, kann das noindex darin also gar nicht lesen — und die Anweisung, die Seite zu entfernen, kommt nie an. Die Seite bleibt im Index.
Die Regel lautet deshalb: Wenn eine Seite aus dem Index verschwinden soll, muss Google sie abrufen dürfen. Erst noindex setzen, die Sperre in der robots.txt aufheben, dann abwarten.
Die Google Search Console ist ein kostenloses Werkzeug für Seitenbetreiber. Sie ist keine Voraussetzung dafür, gefunden zu werden. Aber ohne sie tappen Sie im Dunkeln: Sie erfahren nicht, ob Google Ihre Seiten aufnehmen konnte, ob Fehler auftraten und für welche Suchbegriffe Sie erscheinen.
So prüfen Sie es: Melden Sie sich mit einem Google-Konto an, tragen Sie Ihre Adresse ein und weisen Sie nach, dass die Website Ihnen gehört. Reichen Sie danach Ihre Übersichtsdatei mit allen Seiten (die Sitemap) ein und lassen Sie einzelne Adressen prüfen — die Antwort sagt im Klartext, ob eine Seite im Index ist und warum nicht.
Eine Seite mit drei Sätzen, einem Bild und einer Telefonnummer beantwortet keine Frage. Google hat für jede Suchanfrage die Wahl zwischen vielen Seiten und nimmt die, die das Anliegen vollständig behandelt. Besonders kritisch sind übernommene Texte — vom Hersteller, aus einem Verzeichnis, von einer anderen Website.
So prüfen Sie es: Kopieren Sie zwei Sätze Ihrer Leistungsseite, setzen Sie sie in Anführungszeichen und suchen Sie damit bei Google. Erscheinen fremde Seiten mit demselben Text, haben Sie keinen eigenen Inhalt. Fragen Sie sich außerdem: Beantwortet die Seite alles, was Kunden am Telefon fragen? Wenn nicht, helfen die SEO-Grundlagen für kleine Unternehmen weiter.
Wer als kleiner Betrieb auf ein allgemeines Wort wie „Rechtsanwalt“ oder „Umzug“ zielt, tritt gegen Seiten an, die seit Jahren zu diesem Thema veröffentlichen. Dass Sie dort nicht auftauchen, ist kein Fehler Ihrer Website — es ist eine falsch gewählte Zielscheibe.
So prüfen Sie es: Suchen Sie Ihr Zielwort und sehen Sie, wer vorn steht. Sind das große Verzeichnisse, Portale und überregionale Anbieter, brauchen Sie ein engeres Ziel: Leistung plus Ort, Zielgruppe oder Anlass. Für lokale Anbieter bewirkt zudem ein gepflegter Eintrag oft mehr als die Website selbst — mehr dazu unter Local SEO und Google Business Profil.
Über die Jahre entstehen auf vielen Websites drei oder vier Seiten zum gleichen Thema: eine Leistungsseite, eine ältere Unterseite, ein Beitrag, eine Seite aus einer alten Kampagne. Google muss dann entscheiden, welche die Antwort ist — häufig wechselt es zwischen ihnen, und keine kommt nach vorn.
So prüfen Sie es: Suchen Sie nach site:ihre-domain.de plus Ihrem Suchwort. Tauchen mehrere eigene Seiten zum selben Thema auf, haben Sie das Problem. Die Lösung: eine Seite zur Hauptseite bestimmen, die übrigen zusammenführen und die alten Adressen dauerhaft dorthin weiterleiten.
Ursache 7 betrifft die Bedienbarkeit. Ist Ihre Seite auf dem Handy unbrauchbar — winzige Schrift, verrutschte Bilder, Menü ohne Funktion, mehrere Sekunden Ladezeit — verlassen Besucher sie sofort wieder. Das kostet Sichtbarkeit. So prüfen Sie es: Rufen Sie Ihre Seite auf dem Handy ohne WLAN auf und versuchen Sie in dreißig Sekunden, eine Telefonnummer zu finden und anzutippen.
Was dabei technisch zusammenspielt, erklären unsere Beiträge zu Mobile First und responsivem Webdesign und zu den Core Web Vitals — den drei Messwerten, mit denen Google Ladeerlebnis, Reaktionszeit und Bildstabilität bewertet.
Ursache 8 ist die fehlende Bekanntheit. Wenn keine andere Website auf Ihre verweist, fehlt Google ein Zeichen dafür, dass es Sie gibt. So prüfen Sie es: Suchen Sie Ihren Firmennamen ohne Ihre Domain und sehen Sie nach, ob Sie in Verzeichnissen, bei Innung oder Kammer, bei Partnern oder in der lokalen Presse vorkommen. Gekaufte Verweise schaden mehr, als sie helfen.
Arbeiten Sie die Liste in dieser Reihenfolge ab und notieren Sie jedes Ergebnis. Meist finden Sie die Ursache in den ersten vier Schritten; alles Weitere ist keine Fehlersuche mehr, sondern Aufbauarbeit.
Eine verbindliche Frist gibt es nicht, und jede genannte Zahl wäre geraten. Die Spanne reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen. Beschleunigen lässt sich das: Website in der Search Console anmelden, Sitemap einreichen und dafür sorgen, dass Ihre Adresse an einigen echten Stellen im Netz auftaucht — im Google Business Profil, bei Innung oder Kammer, bei Partnern.
Nein, das ist nur der Nachweis, dass Sie im Index stehen. Nach Ihrem Firmennamen sucht ausschließlich, wer Sie bereits kennt. Die aussagekräftige Prüfung lautet: Suchen Sie nach dem, was Sie anbieten, plus Ihrer Stadt — und zwar in einem privaten Browserfenster, damit Ihre eigene Suchhistorie das Ergebnis nicht schönt.
Ja, es ist der teuerste Irrtum in diesem Themenfeld. Die robots.txt regelt das Abrufen, noindex die Aufnahme in den Index. Eine gesperrte Seite kann trotzdem in den Ergebnissen erscheinen, weil Google sie über Verweise anderer Seiten kennt.
Und weil Google die gesperrte Seite nicht lesen darf, sieht es ein dort hinterlegtes noindex nie. Wer beides kombiniert, hält also ausgerechnet die Anweisung zurück, die er durchsetzen wollte.
Die Aufnahme in den Index kostet nichts und lässt sich nicht kaufen. Wer Ihnen einen bezahlten Eintrag in die normalen Suchergebnisse verspricht, verkauft Ihnen etwas, das es nicht gibt. Bezahlen können Sie ausschließlich Anzeigen, die als solche gekennzeichnet über oder neben den Ergebnissen stehen — und sobald Sie das Budget abschalten, sind Sie wieder weg.
Nehmen Sie sich eine halbe Stunde und gehen Sie die acht Prüfungen durch. Notieren Sie jedes Ergebnis, auch wenn alles in Ordnung war. Am Ende haben Sie entweder die Ursache oder eine belastbare Liste dessen, was es nicht ist.
Technische Ursachen wie ein vergessenes noindex sind meist in Minuten behoben. Inhaltliche brauchen Wochen bis Monate, weil Google die Seite erneut bewerten muss.
Wenn Sie das dauerhaft im Blick behalten möchten statt einmal im Jahr: Genau das leistet eine laufende Website-Betreuung mit SEO — Indexstatus, Ladezeiten und Suchbegriffe werden regelmäßig geprüft, statt erst dann, wenn die Anfragen ausbleiben.
Die meisten Firmenseiten sagen, dass es das Unternehmen gibt. Verkauft wird erst, wenn sie sagen, wobei sie helfen.
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